Sein oder Nichtsein
"Geistesgegenwart und Schauspielerei sind auch in schlechten Zeiten die besten Waffen, um eine penetrante Realität zu schlagen. Dahinter steckt Lubitschs ganzes ästhetisches Credo und sein Horror vor einem Kino, das glaubt, die Wirklichkeit direkt abbilden zu können."
Frieda Grafe
Eine polnische Theatertruppe probt 1939 in Warschau eine bitterböse Parodie auf die Gestapo. Noch vor der Premiere wird das Stück vom Außenminister verboten. Hitler überfällt Polen, und bald wimmelt es in der Stadt von Hitlers Gestapoleuten, die Schauspieler flüchten in den Untergrund. Der polnische Fliegerleutnant Subinski kehrt aus England zurück, um den Untergrund vor einem Spion zu warnen. Da trifft es sich gut, dass er vor seiner Abreise mit Maria angebandelt hatte, bei der er nun untertaucht. Nur weiß ihr Mann, "der große Schauspieler Joseph Tura" noch nichts davon, als er ihn in seinem Bett vorfindet... Doch private Empfindlichkeiten müssen jetzt hinten anstehen, denn nur wenn es den Schauspielern gelingt, die Nazis überzeugender darzustellen, als sie selbst sind, können sie sich vor ihnen retten.
"Sein oder Nichtsein" ist eine satirische Abrechnung mit dem Führerkult und seinen Begleiterscheinungen. Ein Stück, das die Schergen des Nationalsozialismus als Schmierendarsteller beschreibt und die Schauspielertruppe als tragische Helden ehrt.
"Ich habe drei Totsünden begangen, so scheint es - ich habe die üblichen Genres missachtet, als ich Melodrama mit komischer Satire und sogar mit Farce verband, ich habe unsere Kriegsziele gafährdet, weil ich die Nazibedrohung verharmloste, und ich habe außerordentlich schlechten Geschmack bewiesen, weil ich das Warschau von heute als Schauplatz für eine Komödie wählte. (...) Ich gebe zu, dass ich die Nazis nicht so dargestellt habe, wie das Filme, Romane und Stücke sonst tun, wenn sie Naziterror zeigen. Keine Folterkamer, keine Auspeitschung (...), meine Nazis sind anders: Sie sind längst über diese Stufe hinaus. Brutalität, Auspeitschung und Tortur sind ihre Alltagsroutine. Sie reden darüber wie ein Geschäftsmann über den Verkauf einer Handtasche. Sie machen ihre Witze über die Leiden ihrer Opfer.
Ich war die üblichen Rezepte leid: Drama mit Komödie oder Komödie mit Drama aufzulockern. Ich beschloss, einen Film zu drehen, nichts und niemanden aufzulockern, sondern Drama, Komödie und Satire so einzusetzen, wie es die Situation verlangte." Ernst Lubitsch
Credits
Regie: Uli Jäckle | Text: Ernst Lubitsch / Melchior Lengyel | Bühne: Jürgen Zinke | Kostüme: Elena Anatolevna
mit: Florian Brandhorst, Sven Brormann, Gotthard Hauschild, Jakob Hessing, Arnd Heuwinkel, Luzia Schelling, Moritz Tittel, Andreas Thorwesten, Michael Wenzlaff
Koproduktion mit dem Stadttheater Hildesheim. Gefördert durch das Land Niedersachsen, die Friedrich Weinhagen Stiftung Hildesheim und die Niedersächsische Lottostiftung
Termine
- Jan. 2006 – Apr. 2006 | Ballhaus Vier Linden Hildesheim
- 13. Jan. 2006 | Ballhaus Vier Linden Hildesheim | Premiere
- Stücke
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- Die große Pause
- Traffico
- Wie's im Buche steht
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- Mein junges idiotisches Herz
- Erfassen – Erkennen – Erinnern
- Ausflug in den Menschenpark
- Sein oder Nichtsein
- Wer wohnt dort oben auf goldenen Sternen?
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