DIE GROSSE PAUSE

In den leeren Industriehallen und Büros einer stillgelegten Uhrenfabrik spielt dieses 3 1/2stündige Stück Zeit-Geschichte. Es verhandelt szenisch eine Entwicklung, wie sie in vielen Familienunternehmen stattgefunden hat, die in der Nachkriegszeit groß geworden sind und sich dem globalisierten Markt nicht schnell genug anpassen konnten: Aufbruchstimmung, Erfolg, Euphorie und Höhenflüge, Stagnation, Kampf und Krise... Das Theater wird zum Instrument der Erinnerung und erzählt die Geschichte vom Wandel der Arbeit am Beispiel vom Aufstieg und Fall der Uhrenfabrik Staiger. Neben Interviews mit ehemaligen MitarbeiterInnen ist die Betriebszeitschrift „Das Pendel“, als Chronik der Uhrenfabrik Staiger, textlicher Fundus für die Inszenierung der GROSSEN PAUSE: Jubiläen, Verkaufszahlen, Geschäftsreisen, Betriebsfeiern, betriebsinterne Fußballergebnisse, Sitzungsprotokolle, Durchhalteparolen... In den Etappen der Firmengeschichte spiegeln sich die Lebensabschnitte einzelner MitarbeiterInnen genauso wie die westdeutsche Befindlichkeit von der Nachkriegszeit bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts. Doch DIE GROSSE PAUSE ist auch eine gemeinsame Zeit-Recherche von Schauspielern und ehemaligen Angestellten der Uhrenfabrik. Wie haben die Staiger-Mitarbeiter den Verlust ihrer Arbeitsstelle verarbeitet? Welche Strategien finden sie im Umgang mit der plötzlich freigesetzten Zeit? Und vor allem: Was kommt nach der großen Pause und wie sieht Arbeit in der Zukunft aus?

 

CREDITS

 

Regie: Uli Jäckle | Musik: Thomas Seher | Bühne: Thomas Rump | Ausstattung: Elena Anatolevna

mit Lena Drieschner, Johanna Eiworth, Luzia Schelling, Florian Brandhorst, Matthias Buss, Arnd Heuwinkel, Martin Weigel und 30 BürgerInnen aus St Georgen im Schwarzwald

Koproduktion mit dem Theater Freiburg

 

 

TERMINE

 

  •     Sep. 2010 – Okt. 2010 | ehemaligen Uhrenfabrik Staiger-Werke, St Georgen

 

PRESSESTIMMEN

 

aus "DIE INSTALLATION EINER LEISEN KATASTROPHE"

"Kaum vorstellbar, dass hier vor 10 Jahren noch (...) 50000 Quartzuhren am Tag produziert wurden. As time goes by – irgendwann an diesem Nachmittag wird der melancholische Refrain angetippt, auch der zurckersüß gemeine Schlager „Schade, dass die Liebe nur ein Märchen ist“ hat seinen Auftritt. Zweihundert Zuschauer sitzen auf einer schmalen Tribüne in der ehemaligen Spritzerei des Kunststoffherstellers und schauen durch die großen Fenster gegenüber auf den von hier aus beschaulich wirkenden Ort."

..."Es ist eine Art dokumentarisches Drama, das die Geschichte der Firma im geglückten Zusammenspiel von ehemaligen Betriebsangehörigen und sieben Schauspielern als Mischung von Rimini-Protokoll und Marthaler-Revue entfaltet."

..."Schöne Bildfindungen und erhellende Momente sind dabei: wenn das Ensemble auf Bürostühlen im Akkord arbeitet, wenn Lena Drieschner in einen ziemlich komischen, ziemlich verzweifelten Dialog mit einer vertrockneten Zimmerpflanze gerät, wenn Luzia Schelling im strengen Kostüm die sich stets wiederholenden Mutmachweihnachtsbotschaften der Firma verliest, wenn ein wahnsinnig gutgelauntes Coaching-Team den Angestellten die ökonomisch effektivste Körperhaltung beibringen will, wenn die Chinesentruppe dem Chef den Schreibtisch unterm Ellenbogen wegzieht."

..."Nach der Hälfte von am Ende drei Stunden werden die Zuschauer zur Betriebsbesichtigung gebeten. Was wie ein Pflichtgang durch das abgehalfterte Werk anmutet, entpuppt sich als das Betreten einer grandiosen Großinstallation: Der Bühnenbildner Thomas Rump hat jedem Raum, von der Lagerhalle bis zum Büro im Obergeschoß, ein eigenes Gesicht gegeben."

..."Hier wird sie beklemmend erfahrbar: Die große Pause nach dem Crash, die stumme Katastrophe, wenn eine eingesessene Industrie im Wettbewerb untergeht. Der Melancholie dieses Moments kann man sich nicht entziehen. Gut, dass er noch einmal eingefangen wurde."

Bettina Schulte, Badische Zeitung, 20.09.2010

 

aus "DIE GUTE ALTE ZEIT MACHT PAUSE"

"Fast 400 Zuschauer haben am Wochenende die ersten beiden Aufführungen des Theaterprojekts „Die Große Pause“ in der ehemaligen Uhrenfabrik Staiger besucht. Die Resonanz: begeistert. Am Ende der Uraufführung kamen die Schauspieler ein ums andre Mal zurück in die ehemalige Spritzerei gestürmt, wo das Publikum die rund dreistündige Darbietung mit stehendem Applaus belohnte. Auch die im ganzen Gebäude verteilten Installationen wurden von den Besuchern begeistert aufgenommen. Der Raum, in dem zwei „Mitarbeiterinnen“ selbstvergessen tanzen, oder die verlassene Tafel, an der offenkundig ausgiebig gefeiert wurde und an der schweigsam ein scheinbar übrig gebliebener Gast sitzt und einen Teller Suppe löffelt. „Einen besseren Auftakt hätten wir uns nicht wünschen können“, sagt Jörg Wisser (...)."

Nathalie Göbel, Südkurier, 20.09.2010